zurück

Susanne Breit-Keßler, Regionalbischöfin in München

In: "Was Glocken uns verkünden"

Nah am Ohr, nah am Herzen

Das herzzerreißende Schweigen der Glocken am Karfreitag intensiviert die Trauer um den Herrn und die Sehnsucht, ihn und die dahingegangenen Lieben und sich selbst am Leben zu wissen. Eigene Zeit weise auszunutzen, mahnt die Totenglocke. Tauf- und Hochzeitsgeläut geleitet fröhlich gestimmte Gemüter vor Anbruch des Alltags zur Basis, zum Ort des erklärten Segens.
Osterjubel und Weihnachtsgottesdienst sind ohne Fisch und Wiener Würstchen denkbar - nicht aber ohne wildes, begeistertes Glockengetöse. Ist es nicht einfach wunderbar, wenn sich tiefe und helle Töne mit mittleren Lagen mischen, gen Himmel steigen und Stadt und Land klingend darauf verweisen, dass im besten Sinne des Wortes Unerhörtes geschieht? Menschen sollen leben - das ist doch wahrlich vielfach akustische Schläge wert.
Glockenklang ist Musik, "Nachklang aus einer entlegenen harmonischen Welt! Seufzer des Engels in uns", wie Jean Paul sagt. Niemals würde ich wohnen wollen, wo ich keine Kirchenglocken höre. Immer wenn es Ostern wird, möchte ich die erleichterten Seufzer der Engel über den Sieg des Lebens ganz nah an meinem Ohr und an meinem Herzen vernehmen.

Copyright 2019 | Sitemap | Datenschutz | Impressum
Publikationsdatum dieser Seite: Montag, 25. März 2019 16:17